Die Festplattenkapazität bei so dicht gebauten Geräten wie iMac und Macmini ist beschränkt und somit stellt sich irgendwann die Frage nach der richtigen externen Festplatte. Und dann ist man auf der Suche, welche Festplatte für die Auslagerung von iTunes oder iPhoto bzw. Videos am besten und am schnellsten ist.

Hier ein paar Tips und Fakten zur Entscheidungsfindung.

Kurz ein paar Vorbetrachtungen über die Anschlußarten:

Geordnet nach den theoretischen Übertragungsraten* (GBit/s) und Transferraten* (MBit/s) gibt es folgende Arten, Festplatten extern an Computer anzuschließen:

Externer Anschluß
USB 2.0 – 480 MBit/s
USB 3.0 – 5 GBit/s – (SuperSpeedModus)
Thunderbolt – 10 GBit/s (1 Anschluss = 2 Kanäle mit je 10 GBit/s!)
Thunderbolt 2 – 20 GBit/s (Zusammenlegung der beiden 10GBit/s Kanäle) seit 2013
Thunderbolt 3 – 40 GBit/s (drehbarer USB-C Stecker) ab 2015
Thunderbolt 4 – 40GBit/s (wie TB3) nur inklusive USB 3.2 20GBit/s ab Ende 2020 erwartet

IEEE 1394a (FW 400) – 400 MBit/s – 50 MByte/s
IEEE 1394b (FW 800) – 800 MBit/s – 100 MByte/s

eSATA (eSATAp) – 3 GBit/s – 300 MByte/s
iSCSI over Gigabit Ethernet – 1 GBit/s – 250 MByte/s

Falls man viel Geld für so eine Infrastruktur hat, dann noch diese Arten zum Vergleich:

iSCSI over 10G Ethernet – 10 GBit/s – 2500 MByte/s
Fibre Channel over 10G Ethernet – 10,52 GBit/s – 2400 MByte/s

Hier sind die Geschwindigkeiten und Datendurchsätze der internen Anschlußarten zum Vergleich:

Interner Anschluß

ATA/ATAPI (IDE) – 1064 MBit/s
SCSI – 40 MBit/s bis 3 GBit/s
Serial ATA: 1,5 Gbit/s, Serial ATA Revision 2.x: 3,0 Gbit/s, Serial ATA Revision 3.x: 6,0 Gbit/s

* Die nutzbare Transferrate liegt wegen der 8B/10B-Kodierung bei nur 80 % der realen Bitrate auf dem Kabel. D.h. ein Daten-Byte entspricht 10 Transfer-Bits, die Datenrate in Byte beträgt somit  1/10 der Transferrate in Bit. Ein Umrechnungstool für Bit und Byte findet man hier.

USB 2.0 – 480 MBit/s | IEEE 1394a (FireWireW 400) – 400 MBit/s – 50 MBit/s

FireWire (400 Mbit/s) ist in der Praxis schneller als USB 2.0 (480 Mbit/s), da die Daten effizienter verarbeitet werden. Das auf dem Papier deutlich langsamere FireWire 400 schafft in der Praxis ca. 30 – 48 Prozent mehr Netto-Durchsatz, das enstpricht ca. 30 MByte/s.

Anschlüsse sind am iMac/mini vorhanden. Platten sind günstig, man kann einfach mehrere kaufen und die Sicherheit erhöhen. Falls man die Sicherung zurückspielen muss, wartet man aber dementsprechend lange.

USB 3.0 – 5 GBit/s – (SuperSpeedModus)

Gibt es leider (noch) nicht im iMac/mini. Für den Mac Pro gibt es preiswerte Karten wie die CalDigit SuperSpeed PCI Express Card for USB 3.0 for Mac (Amazon-Link).

IEEE 1394b (FireWire 800) – 800 MBit/s – 100 MBit/s

Vom Preis-Leistungs-Verhältnis top. Es gibt einige Platten zu kaufen, sowohl einfach oder als 2-Platten-Raid (WD, Iomega, LaCie) bis hin zur Drobo mit 4-8 Platten je nach Bauform (hier ist die Geschwindigkeit abhängig von der Art der Drobo!).

eSATA (eSATAp) – 3 GBit/s – 300 MBit/s

Leider auch nicht als Standard im iMac/mini, obwohl das wirklich wünschenswert wäre. Es ist schnell und es gibt einige Platten mit eSATA zu guten Preisen. Zur Schnelligkeit gegenüber FireWire 800 gibt es bei MacPerfomanceGuide gute Infos.

Man kann sich bei Spezialanbietern in den USA eine eSATA-Schnittstelle in den iMac bestimmter Bauform (27″ 2010) bauen lassen. Tolle Sache, die 170$ wert wäre. Hierzulande. Für den Macmini gibts einige gute Bauanleitungen, bei denen man ein (e)SATA Kabel aus dem Gehäuse führt. (zB. bei artmac.info)

iSCSI over Gigabit Ethernet – 1 GBit/s – 250 MBit/s

Ja, das wäre eine Option, mit der man am iMac leben könnte. Wenn es nicht einige ABER gäbe wie den Preis (für eine Drobo Pro zb) oder die Benutzung einer Netzwerkfestplatte mit iSCSI-Unterstützung – denn man braucht einen Treiber auch Initiator genannt.

Für Mac OS X gibt es folgende:
iTF
Xtend SAN iSCSI Initiator (195$)
globalSAN iSCSI initiator for OS X (dem GlobalSAN iSCSI-Initiator werden bei schweren Lasten Stabilitätsprobleme nachgesagt – ohne weitere Quelle!)

Zurück zur Geschwindigkeit. Die ist -einfach gesagt- bedingt durch das Händeschütteln der Daten über ein Kabel zwischen 2 Netzwerkschnittstellen leider vom reinen Datendurchsatz doch nicht so schnell wie theoretisch angegeben.

iSCSI ist schneller als FireWire 800?

Das wird hier erklärt – da es abhängig von der Geschwindigkeit des verwendeten Prozessors und Controllers im SAN/NAS ist, gilt es natürlich hier nur für die erwähnten Drobos Elite und Pro .

Aussage zur Übertragungsgeschwindigkeit findet sich im Kommentar:
„DroboPro is ideal for video. I know of several Final Cut users using DroboPro with their MacPros for editing. They are using ProRes. Do you know Black Magic’s performance characterization tool? DroboPro is around 85MB/sec read, 82 MB/sec writes.“ Mark Fuccio, Sr. Director of Products & Markets at Data Robotics

Mehr zu iSCSI auch bei Data Robotics selbst.

iSCSI wird von einigen QNAP NAS unterstützt. Mehr dazu hier.

So wurde wohl folgendes gemessen und klingt gut: QNAP TS-259 Pro+ SMB/FTP ca. 110 MB/s lesen – 100 MB/s Schreiben, NFS – 80MB/s writes and 95MB/s reads with a RAID 6 array

Thunderbolt

Mit Thunderbolt stellt sich die Frage der externen Festplatte nicht mehr – dieser Anschluss ist ein MUST-HAVE für den, der a) einen Mac mit Thunderbolt-Anschluss hat und b) kein Problem damit hat, für die derzeitig (Ende 2011) erhältllichen Plattensysteme relativ viel Geld zu bezahlen. Wer Geschwindigkeit braucht, kann nun seinem Mac beliebig viel Plattenplatz verpassen ohne Einbuße der Geschwindigkeit zur internen Platte. Die Geschwindigkeit des Datentransfers ist einzig durch die Schreib-//Lesegeschwindigkeit des Plattensystemes begrenzt, welche bei derzeit aktuellen Raids von Promise (Pegasus R6) bei ca 800 MB/s liegt. Das ist immer noch ungefähr das 10fache einer FireWire 800-Festplatte! Mehr Infos bei INTEL.

Update 4/2012
Es gibt nun endlich eine Schnittstelle Thunderbolt auf eSATA – von LaCie für ca. 199 €. Damit kann man am Mac eSATA Platten betreiben und extra noch einen Monitor über Thunderbolt ansteuern. Deutlich schneller als FW800 – die möglichen 3 GBit von eSATA werden natürlich durch den Datendurchsatz bis zu 10GBit vom Thunderbolt erreicht. Bei LaCie gibt es auch sofort verfügbare Thunderbold-Raid-Platten (hotswap!) LaCie 2Big  mit 4/6/8 TB für 570/740/?? €. Western Digital bietet die My Book Thunderbold Duo mit 4/6 GB zu ähnlichen Preise an.

Jetzt hat auch Hitachi selbst eine Thunderbold-Version ihres G-RAID angekündigt, die bald verfügbar sein soll: „At double the data transfer rates of USB 3.0 and over 12 times faster than Firewire 800…“ 4, 6 und 8 TB zum Preis von ca. 700, 850 und 1000 $. Für ein System mit Raid 0 ist das eine brauchbare Variante im preislichen Vergleich zum Promise Raid, wenn man mit bis zu 4 TB gespiegelt auskommt.

Fazit

Update 2020
An Thunderbolt kommt man nicht vorbei. Zur Zeit macht es Sinn, in eine externe Festplatte mit dem aktuellsten Anschluss zu investieren (Thunderbolt 3) und zur Not alte Geräte mit einem günstigen Adapter TB2 auf TB3 zu betreiben, bis der neue Mac da ist 😉

Für Datensammler empfiehlt sich immer noch eine NAS, die heutzutage mit einem ordentlichen Prozessor ausgestattet sind und mit fast allen aktuellen Platten bestückt werden können. Ob QNAP oder Synology ist Ansichtssache, Synology macht gefühlt zur Zeit von der Softwareausstattung einen etwas besseren Eindruck.

2011 war das Fazit folgendes:
Aus Gründen des Komforts des „einfach dransteckens“ und des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist zur Zeit eine FireWire 800 Platte am iMac/mini die beste Wahl zur Sicherung der Daten und zum Auslagern von großen Datensammlungen wie Foto/Video und Musik.

Wer den Aufwand betreiben möchte und sich nicht am zusätzlichen Treiber stört, hat auch mit dem deutlich teuren iSCSI eine schnelle Platte am Mac.

Bei einer anzunehmenden MTBF von ca. 2 Jahren bei den heutigen Platten, müssen einem die Daten aber schon richtig was wert sein.

Falls man ein richtiger Datensammler ist, dem 2 bis 4 TB je externe HDD nicht ausreichen (Externe Gehäuse mit 1 HDD = 2 GB oder 2 HDD = 4 TB im RAID 0 oder nativ) sollte man sich eine RAID-Lösung wie Drobo (4-8 Festplatten) mit FW800 oder Netzwerk-Anschluß, eine Netzwerkfestplatte (NAS) oder ein selbstgebautes Hardware-Raid / Server zulegen.

Wer Geschwindigkeit will und braucht, muss zur Zeit (Ende 2011) ungefähr soviel wie für einen guten iMac ausgeben, um eine der schnellen Thunderbolt-Raidplatten anzuschließen. Dies wird sich hoffentlich 2012 mit dem Erscheinen von anderen Thunderbolt-Platten normalisieren. Aber: es gibt derzeit nichts besseres, schnelleres für Normaluser.

Also: Speicherplatz ermitteln – Budget festlegen – Festplatte kaufen.